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Saufnix  
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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 940 mal aufgerufen
 Deine eigene Alkoholkarriere
Life on Mars Offline



Beiträge: 11

12.06.2007 21:59
RE: 3 Jahre Zitat · Antworten

Hallo.
Bisher habe ich nicht viel beigetragen im Forum, will aber nun einmal versuchen, meine recht kurze Alkoholkarriere zu beschreiben.
Mit 14 Jahren probierte ich das erste Mal Alkohol in Form von einem Kleinen Feigling. Ich fand gefallen am Alkohol.
In den nächsten Jahren entdeckte ich, dass man mit dem Zeug gut seine Sorgen fortspülen kann, so auch meine Probleme mit der Liebe. In dieser Zeit hatte ich es nicht einmal besonders schlecht. In der Familie war es in Ordnung und ich ging gern zur Schule, hatte Freunde. Mein Konsum war nicht besonders hoch und nicht häufig. Dennoch war ich in meinem Freundeskreis derjenige, der am meisten und liebsten trank.
Mit 15 oder 16 hatte ich meinen ersten Filmriss. Das war Ende der 10. Klasse. Wieder waren es Probleme in der Liebe und die Angst vor der neuen Schule, auf die ich nach den Sommerferien gehen würde. Im Rausch hatte ich versucht, mir die Pulsadern aufzuschneiden. In den Ferien traf ich mich einmal mit meiner ''Auserwählten'', hatte aber keinen Erfolg. Irgendwie trauere ich der Sache immer noch hinterher.
Dann kam ich letztes Jahr in die 11. Klasse. Mir fiel auf, dass sich meine alten Freunde irgendwie verändert hatten. Möglicherweise haben sie das auch gar nicht und mir sind diese Seiten an ihnen nur nie aufgefallen. Jedenfalls geben die sich jetzt mit Leuten ab, die ich überhaupt nicht leiden kann und meine Freunde selbst gehen mir auch auf die Nerven. Ich kann mit ihnen nicht vernünftig reden und kann die meisten nicht mehr leiden. Ich würde sogar sagen, dass ich überhaupt keine richtigen Freunde habe und die meisten meiner jetzigen ’’Freunde’’ und Mitschüler sogar hasse.
Letztes Jahr wurde die Freundin meines Bruders (Das ’’Monster’’) in unserer Familie ''aufgenommen'' (Seitdem hasse ich das Wort). Es gibt viele Gründe, warum ich diese Person verabscheue, aber darauf will ich jetzt nicht eingehen. Es war bei seinem Einzug bei uns übrigens 19 und hätte sich auch eine Arbeit und eine Wohnung suchen können, wenn die Eltern so schlecht zu ihm waren. Ein paar Monate hier wären auch verständlich gewesen, aber dann wurde sein Aufenthalt bei uns zu Anfang auf 1 Jahr festgelegt. Dann hat es sich auch noch von meinem 15 jährigen Bruder schwängern lassen und wird bestimmt noch Jahre hier bleiben. Beide sind meiner Meinung nach einfach zu unreif und schlichtweg zu dumm, um ein Kind großzuziehen. Ich fing an, niemandem mehr zu vertrauen, da jeder in meiner Familie sich mit dem Monster so gut verstand. Ich verabscheue meine Mutter und für den Rest der Familie habe ich nichts mehr übrig. Das ist ein heftiges Gefühl, was ich vorher gar nicht kannte. In dieser Zeit fing ich an, mich mit falschen Freunden abzugeben und trank viel. Vielleicht wollte ich nicht nur vergessen, sondern auch Aufmerksamkeit bei meiner Familie erreichen. Ich trank heimlich und legte mir Vorräte an Alkohol an. Früher tat ich das auch schon, aber ich glaube, ich begann, den Alk wirklich zu brauchen.
Mein Pensum lag zum Schluss bei 6 Flaschen Starkbier oder fast 2 Litern Wein. Mir ist meine Abhärtung aufgefallen und ich fand es toll, immer abhängiger zu werden und wollte ein ''echter Alkoholiker werden (Tut mir leid wenn ich jemanden beleidige, Ich weiß, wie krank sich das anhört). Ich glaube, ich wollte bloß irgendwo dazu gehören oder etwas haben, was erstrebenswert erschien. Ich schaute oft bei Wikipedia in den Artikel über Alkoholismus und freute mich, wenn ich noch ein Kriterium für die Diagnose erfüllte. Zum Schluss wirkte der Alkohol nicht mehr so entspannend und ich wollte eigentlich auch aufhören. Ich wollte nicht mein Leben vergeuden, weil andere schlecht zu mir sind. Sonst hätten schließlich die anderen gewonnen.
Dann kam es ganz plötzlich: Ich trank zu viel und fiel meinen Eltern heulend in die Arme und beichtete alles. Am nächsten Tag ging es zum Hausarzt und der schickte mich zu einem Krankenhaus in der Nähe, wo ich mit einer Fachärztin reden konnte. Das tat zu Anfang auch ganz gut, aber ich denke, beide Ärzte wollen mich immer bloß überreden, mich in eine Entzugsklinik einweisen zu lassen. Dass halte ich aber für überflüssig, weil ich nicht einmal Entzugserscheinungen hatte, als ich aufhörte. Ich will auch nicht von zu Hause weg, egal wie beschissen es hier ist. Manchmal fühle ich mich sehr niedergeschlagen und ausgelaugt, aber trotzdem.
Es sieht jetzt also so aus, dass ich keine Vertrauensperson habe, weder Freunde, Familie noch die Ärzte. Ich kapsele mich ab, aber irgendwie stört mich das ganze auch nicht so sehr, würde doch bloß unser Dauergast hier endlich verschwinden. So kommt es, dass ich mich zu Hause und in auch in der Schule ständig unwohl fühle. Der Alkohol fehlt mir. Ich bin nun seit fast 2 Monaten trocken (wenn auch ungewollt), aber ich würde so gerne wieder vergessen und mich gut fühlen. Auf der einen Seite würde ich gern wieder anfangen mit dem Trinken, auf der anderen aber nun überhaupt nicht.
Nun ist eure Meinung gefragt. Danke für das lesen.

[ Editiert von Life on Mars am 18.06.07 23:00 ]

[ Editiert von Life on Mars am 19.06.07 19:40 ]


klecksi Offline




Beiträge: 222

12.06.2007 22:35
#2 RE: 3 Jahre Zitat · Antworten

hallo Life on Mars

:-)

finde ich toll dass du schon seit 2 monaten trocken bist.

dass du dich abkapselst und glaubst, du hast keine vertrauenspersonen, finde ich nicht so gut.
es ging mir mal ganz ähnlich. auch, dass ich dachte, vielleicht muesste ich erst alkoholikerin werden wie der charismatische mr.... damit man überhaupt gesehen wird oder sonst was verrücktes tun (das dachte ich in meiner jugend). aber das hilft dir jetzt auch nicht.

mir hat geholfen, dass meine mutter gesagt hat: geh doch mal zu der frau dort (die frau kannten wir von ferne, vom gleichen verein) geh, und frag sie ob sie hilfe im haushalt brauchen kann.
daraus entwickelten sich dann für mich hilfreiche gespräche. ein halt. diese frau meinte auch zu mir, wenn mir alles zuviel würde oder ich mich zu einsam fühlen würde, könne ich es doch auch mal mit 'emotions anonymous' versuchen (schade diese frau ist leider gestorben). es wäre ein ort, um sich auszusprechen.
mir half auch, dann etwas zu tun, wo ich sah: heh, das kann ich ja und das baute auch mein selbstwertgefühl auf.
es machte mir freude.
was würde dir denn freude machen. es gibt viele dinge.
sport, alkoholikergruppen aufsuchen, zb jede woche eine andere. wenn man dahingeht, merkt man etwa, wo man steht, schrieb mal jemand. es hat sicher was. dort kann man sich auch aussprechen über sein trinkproblem oder sich gegenseitig helfen trocken zu bleiben oder einen sinn im leben zu suchen versuchen.
musikmachen, ein hobby entdecken.

für mich war das mich zurückziehen eine totale sackgasse.
ich fand heraus, dass ich quere ansichten entwickelte wenn ich zuviel einsam war. also keine gute idee für mich.
und ich merkte auch dass ich menschen brauche.
die flucht in den alkohol war für mich auch eine sackgasse, sie verhinderte, dass ich zeitig fürs leben zu lernen begann.

was würde dir denn zusagen, vielleicht meldest du dich einfach mal bei einer suchtberatung, die helfen für eine standortbestimmung, mit gesprächen und die trockenheit zu gestalten, ich kann es dir nur empfehlen, habe ich auch gemacht. gerade morgen gehe ich wieder hin. die sind meiner meinung nach für jede suchtstufe zur stelle.

viele grüsse von klecksi

[ Editiert von klecksi am 12.06.07 23:19 ]

die liebe ist die grösste macht im universum,
nur durch sie wird alles schwere im leben erträglich
°
Sucht ist das Gefängnis im eignen Körper
°
Heute nichts trinken ist gut


paula Offline



Beiträge: 2.202

13.06.2007 13:40
#3 RE: 3 Jahre Zitat · Antworten

Hallo Life on Mars,

oje, das hört sich ja nach einer richtig verfahrenen Situation an ... aber erst mal ist es gut, dass Du Dir Hilfe suchen willst.

Für Jugendliche und junge Erwachsene gibt es spezielle (auch ambulante) Angebote der Suchtkrankenhilfe - darüber müßte Dir eigentlich eine Suchtberatungsstelle Auskunft geben können.

Vielleicht versuchst Du aber erst mal mit einer Vertrauenslehrerin oder einem Lehrer Deines Vertrauens über Deine Probleme zu sprechen? Vielleicht tun sich für Dich noch ganz andere Möglichkeiten auf!

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Mut, die Dinge anzupacken!

Liebe Grüße
Paula

"Lass' Dir aus dem Wasser helfen oder Du wirst ertrinken",
sprach der freundliche Affe und setzte den Fisch sicher auf einen Baum.

Japanisches Sprichwort


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