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Saufnix  
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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 679 mal aufgerufen
 Ganz, ganz viele Fragen
Softeis Offline




Beiträge: 624

28.11.2002 18:29
RE: Warum vergisst man das schlechte? Zitat · Antworten

Hallo da,

ich bin jetzt schon ne Zeit trocken und denke an die Zeit zurück als ich gesoffen habe.
Zur Verständniß, falls Du es ned weißt: ich hab "nur" im Städtischen Krankenhaus entzogen und danach keine Therapie gemacht oder Selbsthilfegruppen besucht.
Es geht auch soweit ganz gut, nur denke ich bin ich an einem Punkt wo ich nicht weiterweiß.
Mit dem Trockenleben hat sich ne Menge geändert. Vielleicht mal n punkt der vielleicht nur bei mir so ist: Bin Abends länger wach und schlafe auch länger am Morgen. Eben weil ich halt schlafen kann.

Naja, aber jetzt zurück was ich eigendlich meine ( Du siehst, mein Gedanken sind scho völlig wirr

Die Zeit bevor ich ins Krankenhaus zum Entzug ging, war die schrecklichste überhaubt. Aber im nachhinein kann ich mich nicht mehr so richtig an die Zeit erinnern.
Ich weiß, das mir die Luft wegblieb, Angst ohne ende "das ich sterbe" , die Entzugserscheinungen eben.
Warum kann ich mich nach gut 4 Monaten nicht daran so recht erinnern?

Natürlich denk ich ab und zu das n Bierchen ned schlecht wäre, aber da denke ich an die Zeit zurück. Und da eben verblasst die schlechte Zeit.

Das verstehe ich nicht. Normal müsste doch gerade die schlechte Zeit gut in erinnerung sein als Warnsignal.

Ich hab ne mir verständliche Erklärung dafür: Das ist so wie Liebeskummer. Das dauert eben mal so 3-4 Monate, dann is vergessen und man lacht darüber.

Ich denke aber bei meinem Alkoholproblem sollte ich nicht lachen und/oder vergessen.

Ich weiß das eine Therapie (wo das bestimmt angesprochen wird) besser wäre für mich, aber hab halt mal keine gemacht.Wollte das nur mal hier so schreiben.

Softeis (Andi)

(Das schlechte vergisst man weil der Körber ein Selbsterhaltungssystem hat, das is mir schon klar...)

cu


Reiner Offline




Beiträge: 1.036

28.11.2002 19:23
#2 RE: Warum vergisst man das schlechte? Zitat · Antworten

Andi


Schön wieder mal von Dir zu Lesen.

Das es Dich noch gibt weiss ich..lach..hör Dich nämlich

immer im „Yahoo-Messenger kommen und gehen.

Nun zu Deinen Gedanken:

Ich glaube nicht das Deine Gedanken wirr sind..nein.

Diese Gedanken hat glaub ich jeder von uns.

Auch ich sehe wenn ich zurückdenke nur die schönen und

gemütlichen Stunden die ich mit meinem bestem Freund

verbracht habe.

Die beschissenen Tage sind mir auch nicht mehr so richtig

in Erinnerung.

Aber wenn ich mir richtig Mühe gebe kann ich’s schon noch

vorkramen..wills nur nicht..!?!?

Warum auch!

Wer erinnert sich schon gern an Schlechtes….hm..liegt wohl

in der Natur des Menschen.

Hast Du schon mal Fussballspieler gehört die von längst

vergessenen Niederlagen sprachen…oder dass Angler damit

geprahlt haben, mal nix gefangen zu haben..nöö ich nicht.

Sind zwar keine richtigen Vergleiche aber mir fiel im

Augenblick nix besseres ein.

Ich ruf mir immer die nassen Zeiten in mein Gedächtnis

zurück wenn es darum geht irgendwelche Probleme zu

bewältigen und denke daran wie ich Sie früher mal für eine

Nacht bewältigt habe (Glaubte ich jedenfalls) und am

nächsten Morgen grinsten sie mich schon wieder an!!!

Und da fällt mir auch immer wieder ein, wie dreckig es mir

an solchen Tagen ging.

Na und heute gehört eben der Alk nicht mehr zum täglichen

Gesprächsstoff und um so weniger man Sachen erwähnt um so

weiter nach hinten rücken sie im Gedächtnis..denk ich mir
mal!!??


Aber ganz vergessen nee…das kann ich nicht !!!!

Ist wohl zuviel passiert!?!?

Wie soll ich auch Dinge vergessen können die mal über Jahre

Hauptlebensinhalt waren..kann gar nicht sein.

Das waren nur mal kurz meine Gedanken zum „Erinnern“ und „Vergessen“

Aber jeder sieht es natürlich anders!

Ciao Andi wünsch Dir noch einen schönen Abend Reiner


richie Offline




Beiträge: 395

29.11.2002 13:42
#3 RE: Warum vergisst man das schlechte? Zitat · Antworten

ja, das ist leider so (ich kenne keinen trockenen Alkoholiker, der das Problem nicht hat)
ich denke, das Verdraengen von schlechten Zeiten ist normalerweise ein Hilfsmittel zum Ueberleben (sonst koennten ja z.B. Leute aus Kriegsgebieten ueberhaupt nicht mehr weiterleben)
Im Zusammenhang mit Alkoholismus ist es natuerlich sehr gefaehrlich - nur, Loesung hab ich leider auch keine dafuer...


Miezekatz Offline




Beiträge: 731

29.11.2002 16:08
#4 RE: Warum vergisst man das schlechte? Zitat · Antworten

Hallo Richie, hallo Softeis!

Eine Lösung ist's zwar auch nicht, aber die regelmäßige Auseinandersetzung mit dem Thema, das "ich bin Alkoholiker" und nicht "ich war Alkoholiker" läßt einen relativ gut über die Runden kommen. Und die Erinnerung, wie schlecht es mir ging, ist ganz schnell wieder da, wenn in die Gruppe ein Neuer, ein Nasser kommt. Die ganze Verzweiflung um diesen Zustand ist auf einmal wieder ganz nah ... Ich sage ja, Selbsthilfe ist Geben und Nehmen von BEIDEN Seiten. Von denen, die anfangen und von denen, sie schon etwas weiter sind. Jeder hat die Chance, wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht zu werden. Denn Abheben ist gefährlich. Und im stillen Kämmerlein hebt man leicht ab. Da ist keiner, der einen zurückholt. Bitte keine Missverständnisse: ich fühle mich in keinster Weise besser oder höher oder klüger als ein anderer Alki. Ich bin nicht mehr und nicht weniger als jeder andere auch. Ich will nichts um jeden Preis besserwissen und ich nehme gerne von JEDEM eine Lebenserfahrung an, wenn sie gut für mich ist.


Liebe Grüsse und dir, Softeis ALLES GUTE!!


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