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Saufnix  
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Dieses Thema hat 15 Antworten
und wurde 2.008 mal aufgerufen
 Deine eigene Alkoholkarriere
Seiten 1 | 2
Clefi ( gelöscht )
Beiträge:

10.02.2003 02:22
RE: Und noch eine Geschichte Zitat · Antworten

Zufällig bin ich auf diese Seite gestoßen obwohl ich schon
sehr lange im Internet unterwegs bin . Diese Seite hat mir so sehr gefallen, so daß ich meine Geschichte in Kurzform
wiedergeben möchte.
Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf.Meine Mutter wurde von einem Auto angefahren und starb, als ich 5 Jahre alt war.Mit meiner Stiefmutter hatten meine Geschwister und ich nur Streß, solange ich sie kenne.Als ich mit 16 in die Lehre kam begann mein Abstieg.Natürlich hatte ich vorher auch schon hier und da Bekanntschaft mit Alkohol gemacht aber das war ja noch kein Problem.Immer wenn ich
nach Hause kam, hatte meine Stiefmutter sofort Streit mit mir. Meistens wegen belanglosen Sachen (Fernseher einschalten u.s.w.).Ich versuchte dieser Streiterei aus dem
Weg zu gehen in dem ich mich in eine Kneipe setzte und Bier trank.Es war ein angenehmes, vom Magen her wärmendes
Gefühl, das sich nach ein paar Bier bei mir einstellte. Ich fühlte mich sauwohl wenn ich getrunken hatte.Und wenn
ich mit Freunden unterwegs war habe ich meistens vorher
schon irgendwo gezogen, weil es mir danach einfach besser ging.
Es ist mir alles leichter gefallen, wenn ich getrunken hatte.Ich konnte arbeiten wie ein Tier,ich konnte lustig
sein obwohl ich eher zurückhaltend bin,ich konnte Mädchen
ansprechen, an die ich mich nüchtern nie herangewagt hätte.Außerdem konnte ich meine Probleme und Sorgen vergessen.Ich habe im Laufe der Zeit immer öfters und immer mehr gesoffen ich habe selbst gemerkt daß es mir schon lange nicht mehr gut geht durch die Sauferei.
Das übliche Schwitzen Zittern und Unwohlsein am nächsten Morgen versuchte ich sofort wieder mit Alkohol zu lindern.
Morgen höre ich endgültig auf habe ich mir immer wieder gesagt.Ich habe mich oft nach einem Rausch geschämt, weil
ich wieder einmal die Festsau war und alle über mich gelacht haben.Irgendwann bin ich auf Wein umgestiegen
wegen der besseren Wirkung und etwas später auf Schnaps
aller Art.Ich hatte Angstzustände,Krampfanfälle ich fühlte
mich so schlecht ich wollte sterben.Um ehrlich zu sein, ich
wollte mich totsaufen.Dann brachte mich mein Bruder in die
Klinik die erste Entgiftung danach mein Entschluß mit der Sauferei aufzuhören.Ich habe dann eine 6 Monate dauernde Therapie gemacht danach war ich eine zeitlang trocken.Aber das Leben ist nicht so einfach. Ständig wurde
ich irgendwo mit Alkohol konfrontiert und irgendwann kam es zum Rückfall. Es folgten noch viele Rückfälle und viele Entgiftungen und jeder Rückfall und jede Entgiftung war
meines Erachtens schlimmer als der vorige.Meinen Arbeitsplatz hatte ich mehrmals schon verloren, weil
ich körperlich nicht in der Lage war die Arbeit pünktlich
aufzunehmen.Nach einer Entgiftung habe ich den Entschluß
gefasst noch eine Therapie zu beantragen, die auch genehmigt wurde.
Diese weitere 6 Monate dauernde Therapie habe ich dann durchgezogen und jetzt bin ich seit 12 Jahren trocken.Nach
der Therapie habe ich meinen eigenen Weg gesucht , bin
weggezogen und habe einen neuen Bekanntenkreis aufgebaut.Ich kann nicht verstehen, warum ich mit Alkohol
nicht umgehen kann. Aber ich habe akzeptiert daß ich es nicht kann.
Jetzt bin ich 41 Jahre alt habe zwischendurch geheiratet und für meine Frau und mich ein Häuschen gebaut.Alkohol ist für mich kein Thema mehr. Obwohl ich immer wieder damit konfrontiert werde.
Oft werde ich auch blöd angequatscht wenn ich Alkohol ablehne, doch ich sage mir immer wieder: es geht mir ohne
Alkohol gut und ich möchte das es so bleibt.Ich bewundere
die Ärzte und Therapeuten die für mich soviel Geduld aufgebracht haben. Wer weiß wo ich ohne sie heute wäre.


felidaela Offline




Beiträge: 796

10.02.2003 09:52
#2 RE: Und noch eine Geschichte Zitat · Antworten

Hallo Clefi,

danke für Deinen Beitrag. Man möchte fast meinen "eine Karriere wie sie im Buch steht"

Du kannst mit diesen Erfahrungen hier sicher Vielen helfen, gerade wenn Du vielleicht auf bestimmte Fragen auch konkreter wirst. Z.B.: Warum hat das Tockensein (aus Deiner heutigen Sicht) nach den Entgiftungen nicht gleich geklappt? Und wieso letztendlich doch?

Oft sagen wir uns, dass wir schon eher so schlau wie heute hätten sein können. Zumindest geht es mir so. Aber mit 20 kann eben keiner die Erfahrungen einer/eines 40jährigen haben. Damit habe ich mich inzwischen abgefunden und freue mich über jedes "Licht", das mir aufgeht

In diesem Sinne: Dass es immer "hell" ist, wünscht Dir und allen anderen


Clefi ( gelöscht )
Beiträge:

10.02.2003 12:24
#3 RE: Und noch eine Geschichte Zitat · Antworten

Hallo felidaela !

Zunächst einmal Danke für Deine Antwort.
Nach meiner ersten Therapie war ich wieder körperlich topfit.Ich kam zurück in meine alte Umgebung und ständig
wurde ich mit Alkohol konfrontiert es hatte sich nichts
verändert.Meine Bekannten und "Freunde" waren alles recht-schaffene Leute. Sie gingen alle regelmäßig arbeiten und tranken abends Ihr Bierchen und bei besonderen Anlässen halt etwas mehr.Natürlich wußten alle was mit mir los war
aber das änderte ihr verhalten nicht. Nur ich hatte mich
verändert. Sonst gar nichts.Wie gesagt ich fühlte mich gut
und wollte wie die anderen auch ab und zu ein Bierchen trinken.Ich hatte in der Therapie viel über Alkohol gelernt.Auch über Rückfälle.Doch ich habe mir eingeredet:Ich bin noch nicht so schlimm dran.Ich glaubte
wieder ganz vorne anzufangen 1-2 Bier und vielleicht am
Wochenende etwas mehr und das klappt todsicher.Die anderen
machen das ja genauso.Sehr schnell hatte ich meine Trinkerei nicht mehr unter Kontrolle und bin wieder total
abgestürzt.Ich hatte auch nicht vorne angefangen wie ich
meinte, sondern ich war auf der Leiter nur ein paar Sprossen nach oben oben geklettert.Mit jedem Rückfall ein
paar Sprossen mehr nach oben und ein immer tieferer Absturz
hinterher.Dazwischen immer Wochen und Monate völliger Abstinenz.Ich hatte inzwischen eine Riesenangst vor diesen Exzessen und immer wieder bin ich abgerutscht.Ich wollte
so nicht mehr weitermachen und mir war klar wenn es so weitergeht gehe ich vor die Hunde. Was mir die Ärzte auch
bestätigten und mir zu einer zweiten Therapie geraten haben.Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen aber ich hatte keine Wahl und ich wollte noch nicht aufgeben.
Ich habe kein Patentrezept dafür daß ich bis heute Trocken
geblieben bin.Mit Sicherheit haben meine negativen Erfahrungen und die körperlichen und seelischen Schmerzen
in dieser Zeit ihren Teil dazu beigetragen.Auch das aufgeben alter Gewohnheiten haben für mich das Risiko erheblich verkleinert so z.B. der Besuch von Veranstaltungen wo Traditionsgemäß reichlich gebechert wird.Vor einem Rückfall habe ich immer noch Riesenangst obwohl es kein aktuelles Thema für mich ist.

Dann war da noch ein kleines Fünkchen Ehrgeiz in mir.Ich wollte nicht einfach aufgeben und ich wollte es allen
zeigen die über mich gelacht und geredet haben, daß ich es doch schaffe.

Aber ohne Therapeuten, Ärzte und auch das Pflegepersonal
hätte ich es nicht gepackt.


Beachen Offline




Beiträge: 3.654

10.02.2003 15:07
#4 RE: Und noch eine Geschichte Zitat · Antworten


Hallo Clefi !

Auch von mir ein "Willkommen" hier und vielen Dank für deinen Beitrag. Will mich da feli anschließen und denke auch daß du uns mit deiner Sicht der Dinge sicher einiges geben kannst, denn 12 Jahre trocken sein ist wirklich toll !
Was mich noch etwas wunderte ist dein Alter, rein rechnerisch warst du ja "erst" 28 als es dir schon ziemlich schlecht ging, so mit Krampfanfällen, heftiger Entzugssymptomatik etc.
Umso mehr find ich klasse daß du die Notbremse gezogen hast und deinen Weg gegangen bist, auch mit Rückschlägen.

So nun ein Grüßle auch von einer Schwäbin
Bea
<--- ein "Frischling"


Clefi ( gelöscht )
Beiträge:

10.02.2003 23:32
#5 RE: Und noch eine Geschichte Zitat · Antworten

Hi Bea!

Ich habe mich über Deine Antwort "aus dem Ländle"sehr gefreut.
Ja, ich war noch sehr jung als ich bereits erste Entzugssymptome an mir feststellen konnte.Ich dachte
damals an allesmögliche aber an Entzugserscheinungen
nein das konnte nicht sein.Ich glaube mit 24 oder so hatte
ich einen ersten Krampfanfall.Ich hatte mich ins Bett
gelegt und fand mich später irgendwo im Zimmer auf dem
Fußboden liegend,stark aus der Nase blutend,wieder.
Dabei hatte ich nicht mal so viel gesoffen an diesem Tag.
Heute weiß ich daß es gerade am abklingenden Alkoholspiegel
lag daß es zu diesem Anfall kam.Diese Anfälle kamen immer
wieder mal aber nur bei Entzug und dann auch nicht immer.
Ich hatte eine höllische Angst vor diesen Anfällen was mir
das selber aufhören auch nicht gerade erleichtert hat.
Ich hatte früher nie solche Anfälle und habe seit ich
keinen Alkohol mehr trinke nie wieder einen gehabt.
Ja, ich hatte eine schnelle sehr steile Karriere als
Alkoholiker gemacht.Warum das so ist weiß ich nicht.
Ich vermute daß mein Körper vielleicht noch empfindlicher
auf Alkohol reagiert als bei anderen.Heute bin ich froh,daß
alles so schnell verlaufen ist. Denn ich habe keine
organischen Schäden zurückbehalten.
Wenn ich durch einen Rat jemandem weiterhelfen kann
so mache ich das natürlich sehr gerne.
Aus diesem Grunde schreibe ich meine Story hier auf.
Anderseits bin ich diesbezüglich sehr zurückhaltend
denn ich habe früher selber alle Warnungen und Ratschläge
im Bezug auf Alkohol ignoriert.


felidaela Offline




Beiträge: 796

11.02.2003 22:10
#6 RE: Und noch eine Geschichte Zitat · Antworten

Hallo Clefi,

um Warnungen und Ratschläge geht es ja auch weniger. Vorbild macht Mut und gibt Hoffnung.

Alles Liebe von


sakini Offline



Beiträge: 132

11.02.2003 22:25
#7 RE: Und noch eine Geschichte Zitat · Antworten

.[f1][ Editiert am: 03-03-2003 7:16 ][/f]


HAYAGRIVA Offline



Beiträge: 33

13.07.2008 17:31
#8 RE: Und noch eine Geschichte Zitat · Antworten

Hallo Leute, HAYAGRIVA kommt aus der mongolischen Mythologie, ich hatte keine Lust bei der E-Mail suche meinen Namen 200x zu ändern.
OK, also ich bin 45. Jahre alt,weiblich und war 26. Jahre vom Alkohol abhängig. Es fing ca. mit 15. Jahren an. Ich war sehr schüchtern und hatte immer Angst vor Allem und Jedem, als ich das erste Bier trank fand ich es toll das ich endlich den Mund aufmachen konnte.Naja so hat sich das über die Jahre gesteigert. Am Anfang habe ich getrunken um wegen zu können, irgend wann habe ich bis zur Bewußlosigkeit getrunken, wenn ich aufgewacht bin gerade noch einen Schluck, dann wieder Schlafen.
Ich war von 1999-2005 8x auf der Entzugsstation der Psychiatrie, eine Langzeittherapie 2001(psychosomatisch) danach 6. Wochen später gleich wieder getrunken.2005 habe ich herrausgefunden, was mit mir nicht stimmt, habe eine Psychotherapeutin besucht und mit ihrer Hilfestellung eine Tiefenpsychologische Therapie gemacht. Seitdem ich die Ursache meiner Sucht gefunden, bearbeitet und verarbeitet habe geht es mir sehr gut.
Ich habe dadurch eine zufriedene,glückliche Abstinenz erreicht und wenn es mal ein Problem gibt finde ich immer eine Lösung.
Derzeit mache ich noch mal eine Ausbildung zur Arbeitstherapeutin.


mihu ( gelöscht )
Beiträge:

13.07.2008 17:38
#9 RE: Und noch eine Geschichte Zitat · Antworten

hi HAYAGRIVA (oh gott, bei dem nick mußte ich zwischen den fenstern hin- und herklicken und habs mal einfach nur kopiert *gg*),

respekt für deinen weg. klingt gut, als wärst du gut im jetzt.

was war denn bei dir nun die ursache deines trinkens?

viel erfolg bei der ausbildung.

sonnige grüße
mihu

p.s. im nachhinein ist der nick ja doch irgendwie gar nicht so schwierig *gg*


HAYAGRIVA Offline



Beiträge: 33

13.07.2008 18:05
#10 RE: Und noch eine Geschichte Zitat · Antworten

Hallo mihu,
wenn Du so fragst, ich bin in mein Unterbewußsein gegangen.
Die Ursache war ein Familiendrama bei dem ich 5. Monate alt war und in dem ich die Hauptperson war. Dieses Drama endete mit dem Suizid meines Vaters der damals 19. Jahre alt war.
Ich war dadurch traumatisiert, hatte eine schwere posttraumatische Störung die in einer Angstneurose endete, dadurch hat sich noch eine Manie ohne psychotischen Hintergrund heraus kristalisiert.
Zum Glück hatte ich aber mehr Angst vor Medikamenten (wieder Abhänigkeit von einer Substanz)als das, was aus meinem Unterbewußtsein heraus kommen könnte, so das meine damalige Therapeutin gar nicht auf die Idee kam mich zu medikamentieren.


Adriana2 Offline



Beiträge: 2.442

13.07.2008 18:38
#11 RE: Und noch eine Geschichte Zitat · Antworten

Zitat
Gepostet von HAYAGRIVA
[b]Hallo Leute, HAYAGRIVA kommt aus der mongolischen Mythologie,



Haya müsste Jagd heissen.
Ich kenne die Hayabusa. Das ist das aufregendste Serienmotorrad der Welt, das kommt aus Japan, und Hayabusa heisst Jagdfalke

Fiel mir bei deime Namen grad so ein
Adriana


HAYAGRIVA Offline



Beiträge: 33

13.07.2008 19:10
#12 RE: Und noch eine Geschichte Zitat · Antworten

HAYAGRIVA Bedeutung
Die Mongolen, berühmt als "das Volk der fünf Tiere", ziehen als Normaden mit Ziegen, Schafen, Rindern, Kamelen und Pferden durch das Land. Tiere nehmen in der schamanischen Kosmologie einen breiten Raum als Vertraute und Gehilfen ein. Mit der Einführung des Buddhismus wurden die einstigen Tierfabeln aber weitgehend durch Geschichten wie die von der tandrischen Gottheit Hayagriva ersetzt, die als wilder Aspekt im Herzen des bodhisattva Avalokiteshvara heimisch ist. Hayagrivas Pferdetanz soll auf den Köpfen der Dämonen stampfen und die Welt erobern.


Soulstorm ( gelöscht )
Beiträge:

13.07.2008 19:40
#13 RE: Und noch eine Geschichte Zitat · Antworten

Hallo Clefi,

Ein sehr schöner und inspirirender Beitrag !

vielen Dank dafür

Soul


paula Offline



Beiträge: 2.202

13.07.2008 20:02
#14 RE: Und noch eine Geschichte Zitat · Antworten

Hmm - Soul ...
Ob er das wohl jemals liest?
(Kuck ma, wann er das letzte Mal online war)

Liebe Grüße
Paula

"Lass' Dir aus dem Wasser helfen oder Du wirst ertrinken",
sprach der freundliche Affe und setzte den Fisch sicher auf einen Baum.

Japanisches Sprichwort


uta111 Offline



Beiträge: 2.325

13.07.2008 20:16
#15 RE: Und noch eine Geschichte Zitat · Antworten

Ohhhh

2003 war er das letzte mal online

Auch Wolkenkratzer haben mal als Keller angefangen.


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